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Aussagekräftige Standortbestimmung zum Saisonstart

Im Vorjahr startete das Fanionteam mit dem Gewinn des Supercups in die neue Saison, und diesmal?
Im Vorjahr startete das Fanionteam mit dem Gewinn des Supercups in die neue Saison, und diesmal?

Mit einer Doppelrunde kombiniert aus Supercup und Meisterschaftsauftakt startet das NLA-Team am Wochenende in die neue Saison. Zweimal geht die Reise nach Zürich. Am Samstag steht in der Saalsporthalle der Supercup gegen Meister Köniz auf dem Programm, am Sonntag dann das erste Saisonspiel in der Hardau bei Titelaspirant GC. Eines ist sicher: Nach diesem Hammerauftakt wird die Berger-Truppe wissen, wo sie aktuell steht.
Am darauffolgenden Weekend steht dann das erste Heimspiel der Saison an. Das Derby gegen Thun vom Sa., 15.9. (19.00 Grossmatt) ist eines aus der neuen Eventspiel-Serie, welche in dieser Saison in Kirchberg stattfinden wird. Um ausgewählte Partien finden diverse Aktionen statt, vor allem der Talk vor dem Spiel zu Themen rund um den Sport. Gleichzeitig findet nach der Partie die bereits schon traditionelle Season-Opening-Party im Spycher statt, wo auch die ganze erste Mannschaft anwesend sein wird.

 

(Zu) Hohe Erwartungen selber geschürt
Knapp fünf Monate sind es nun her seit in der Swiss Arena zu Kloten es bei Grün-Weiss überall leere Gesichter zu sehen gab und grenzenlose Enttäuschung spürbar waren,  während die Roten überschwänglich feierten, auch dann noch als die SVWE-Fankolonie enttäuscht abzottelte, die Spieler  das Spielfeld mit gesenkten Häuptern verliessen.
Der Meisterpokal ist weg, gehört nicht mehr dem SVWE, sondern erstmals Kantonsrivale Floorball Köniz. Die Saison endete mit einer Enttäuschung - aber war diese deshalb auch enttäuschend, so wie es nach aussen hin den Eindruck machte?  Machen wir den Fakten-Check:  Ist eine Saison, in der alle drei nationalen Finals (Supercup, Cupfinal, Superfinal) erreicht werden und zwei davon gewonnen wurden, garniert mit dem Qualisieg und einer makellosen Playoffs nun eine erfolgreiche oder nicht?
Die Antwort ist eigentlich simpel: Der SVWE hat die perfekte Saison abgeliefert. Das Team, welches vom Meisterjahr 2015 ein Dutzend Spieler zu ersetzen hatte, spielte weit über den realistischen Erwartungen, welche man an das verjüngte Team haben konnte:  Das Fanionteam lieferte in 22 Qualisspielen, acht Playoff-Spielen, fünf Cupspielen und im Supercup 36 Mal ab, nur nicht in Spiel 37, dem Superfinal.
Aber die kurzfristigen Erwartungen sind das eine, die Erwartungshaltung, welche rund um den SVWE im letzten Jahrzehnt aufgebaut wurde, ein  ganz andere. Und da ist eine Saison ohne Meistertitel halt eine Enttäuschung. Dieses Rendement haben sich das NLA-Team und der  Verein mit all den Erfolgen der letzten Jahre erarbeitet. Und so ist die Reaktion auf die Finalniederlage eigentlich mehr eine Huldigung an eine grosse Dynastie, denn die Einschätzung einer Momentaufnahme.


Ein Dornenbusch wäre hilfreicher als Lorbeeren
Sie ist aber auch ein Fingerzeig,  dass die Zukunft nicht von der Vergangenheit geprägt werden wird, sondern von der Gegenwart.  Im Hier und Jetzt ist Leistung gefordert, auf den Lorbeeren ausruhen führt unweigerlich in die Enttäuschung.  Leider haben Lorbeeren keine Dornen wie ein Rosenbusch, welche gesättigte Spieler anstacheln könnten:  Die anderen Teams wollen auch gewinnen, geschenkt wird dem SVWE also nichts.  Wille und der absolute Hunger verbunden mit Energie und Präsenz auf dem Feld sind die Zutaten eines Meistercocktails. Köniz hat dies im Stardrittel des Superfinals beinahe perfekt präsentiert, während der SVWE-Cocktail mehr nach einem abgestanden Glas Champagner schmeckte, mit der vergeblicher  Hoffnung, das prickelnde Erlebnis sei auch ein Jahr später automatisch noch da.
Und dies war hoffentlich die richtige Lektion für das junge, ambitionierte Team.  Jeder sollte sich fragen, ober er genug getan hatte, um am Ende seinen maximalen Beitrag leisten zu können.  Trainingsaufwand und Trainingsleistung sind dabei nur ein Faktor. Mentale Bereitschaft, Körpersprache, Commitment sind heute das Zünglein an der Waage, wenn sich Teams auf Topniveau begegnen. Man kann dann immer noch ein Spiel, ein Finale verlieren, aber man muss sich dann nicht vorwerfen, nicht alles für den Erfolg getan zu haben.
Beispiele aus den letzten Monaten? Nehmen wir das Scheitern Bayern Münchens in der Champions League, des SC Bern im Playoff-Halbfinal oder das Vorrunden-Out der Deutschen Fussball-Nati an der WM. Keiner stellte in Frage, ob diese Teams körperlich zu wenig gut trainiert waren, oder taktisch überfordert. Es wurde immer wieder die gleiche Kritiken angebracht. Das Feuer im Team war zu wenig gross, die Spieler wirkten satt, die Energie im Team war nicht spürbar, der Gegner agierte auf dem Feld konsequenter.

 

Wieviel investieren für den grossen Erfolg?
Wie erfolgreich die künftige SVWE-Generation sein wird,  wird entschieden von diesen Faktoren abhängen. Wie wichtig ist einen ein Meistertitel? Wie sehr locken die ach so vielen Ablenkungen der heutigen Zeit?  Wie geht man mit Störfaktoren um?  Sind alle Spieler, welche in der internen Teamsitzung den Meistertitel als Ziel angeben auch bereit, alles dafür zu tun, oder zumindest mehr als im Vorjahr, wo es ja eben nicht gereicht hat.
Nach dem vollzogenen Umbruch folgt nun die Bewährungsprobe. Die junge Garde hat zu beweisen, dass sie bereit ist genauso viel zu investieren wie es die Dynastie der Nuller-Jahre war, welche den SVWE zum“ grün-weissen Monster“ machte, wie es der ehemalige Reinach – und GC-Coach Magnus Svensson einst formuliert hatte. Dazu reichen ein paar schöne Spielzüge, ein tolles Dribbling oder ein spektakuläres Tor während eines Spiels nicht. Die Saat für den Erfolg wird schon viel früher gelegt, im Training, in der Trainingsvorbereitung, aber und vor allem auch im Kopf. Gelingt es der neuen Generation das zu begreifen und sich gegenseitig anzustacheln, dann wird es bald wieder fröhliche Gesichter und jubelnde Fans an einem Superfinal zu sehen geben. Wenn nicht, dann werden Teams welche dieses Commitment und den Hunger rüber bringen,  der neuen SVWE-Generation regelmässig vor der Sonne stehen.

 

 

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