Playoffs

Dieses Team kennt scheinbar keine Grenzen - die Würdigung einer traumhaften Saison

Die gute Mischung beim SVWE machte diese überragende Saison nach dem Unbruch möglich. (Foto: Bieri)
Die gute Mischung beim SVWE machte diese überragende Saison nach dem Unbruch möglich. (Foto: Bieri)

Liebe YB- Fans, was haltet ihr davon wenn zum Ende der Saison nach gewonnenem Cup (von einem Zürcher Verein werdet ihr euch doch in der Wankdorf-Umgebung nicht stoppen lassen...) und dem souveränen Quali-Sieg noch ein Entscheidungsspiel um den Meistertitel zwischen YB und dem FC Basel stattfinden würde? Nicht gleich ausrasten, ist ja gut, auf so eine Idee kommt niemand. Niemand? Nicht ganz: in der Sportart Unihockey hat sich diese Idee wie ein Virus über Schweden, Tschechien auch in die Schweiz und zuletzt Finnland ausgebreitet. Ob sich das Marketing-Instrument bewährt hat und vor allem in unseren Lande das Eintritts-Tickets in die TV-Welt bedeutet, wird sich nach dem 22. April zeigen, wenn es darum geht, ob SRF die Fünfjahres-Option für die Übertragung der Playoffs zieht.

Rein sportlich gesehen ist dieses Spiel weiterhin blanker Unsinn, theoretisch könnte sogar ein Team Meister werden, das am Ende einer Saison mehr Spiele verloren hat als gewonnen... Nicht einmal im American Football, wo die Playoffs traditionsgemäss in einzelnen Partien ausgespielt werden und am Ende im Superbowl enden, ist das möglich, weil solch ein Team die Playoffs gar nicht schaffen kann. Die Argumente bleiben auch nach drei Superfinalaustragungen die selben, geändert hat sich einzig, dass man dem SVWE nicht mehr die "Angst" auf eine Niederlage im Einzelspiel unterstellen kann, weil sowohl die zwei letzten Cupfinals, zweimal der Supercup und vor allem auch beide Superfinals gewonnen wurden. Während den "SVWE-Bashern" also die Argumente ausgehen, bleiben wir bei unserer Haltung und deklarieren den Superfinal weiterhin als (durchaus gelungenen) Show-Event wo sich die Szene selber feiern kann und für einige Stunden im nationalen TV-Rampenlicht steht, sofern denn nicht gerade irgendein Fussball-Spiel oder ein Formel 1 - Rennen ansteht, oder Roger Federer irgendwo die Bälle gut trifft. Und wann die grosse Show steigt, ist ja leider auch offen, weil es davon abhängt wie gut oder schlecht der örtliche Eishockeyclub gerade drauf ist.


Was den neuen SVWE ausmacht
Die sportliche Saison ist also mit dem Ende der Playoff-Halbfinals zu Ende gegangen und so folgt die Würdigung für das Fanionteam auch zu diesem Zeitpunkt, unabhängig davon ob sich die NLA-Equipe am 22. April den zwölften Meistertitel in der Clubgeschichte holt. Aus dem letztjährigen 25-Mann-Kader wurden auf diese Saison hin die Hälfte der Spieler ausgewechselt. Der Schnitt war radikal, der durch den Vorstand vorgegebene Umbruch wurde durch Cheftrainer Thomas Berger und seinen Staff konsequent umgesetzt und das Kader massiv verjüngt. Eigentlich ist es fast unmöglich, einen solchen Leistungsverlust auszugleichen und stellt der Konkurrenz nicht gerade Bestnoten aus. Dafür um so mehr dem SVWE-Trainerstaff.
Klarer Qualisieg, keine Niederlage in den Playoffs und im Cupwettbewerb, mehr als bemerkenswert. Dass am Ende alles so gut aufging, hat diverse Gründe –  liegt aber primär in der Vielseitigkeit des Teams. Der neue SVWE hat ein hohes Mass an Grundqualität und Talent, ist auch nach so vielen Titelgewinnen (dank der Verjüngung) immer noch hungrig und dazu kommen vor allem auch diverse Superkompetenzen.

Die Speedfraktion:  Deny Känzig, Claudio Mutter, Lukas Meister und Nicola Bischofberger, dazu mit Abstrichen Krähenbühl (war vier Monate verletzt und somit nicht auf dem besten physischen Level).  Sie bringen die Elemente mit, welche das angestrebte Tempounihockey nicht nur mit dem Ball, sondern auch ohne Ball möglich machen.
Die Techniker: Daniel Magic Johnsson, Simon Laubscher, Marco Rentsch, Tino von Pritzbuer, Tobias Känzig – sie können Dinge am Ball, welche sie unberechenbar machen und für das angestrebte Ballmonopol enorm wichtig machen
Die Robusten:  Der SVWE stellt nicht nur das jüngste Team der Liga, sondern auch kleinste. Dennoch braucht es Aggressivleader  - Dave Wittwer,  Andrin Hollenstein,  Dominik Alder, Daniel Sesulka und Marco Louis bringen jene Präsenz mit, welche dem Gegner weh tun kann.
Die Kompletten: Tatu Väänänen, Matthias Hofbauer und Youngster Jan Bürki. Es gibt Spieler, die beinahe alle erforderlichen Eigenschaften in sich vereinen. Dieses Trio gehört dazu und ist unverzichtbar im aktuellen Team. Weltmeistercaptain und Steuermann Tatu Väänänen spielt eine herausragende Saison und gehört immer noch zu den weltbesten Spielern. Bei Matthias Hofbauer reicht es die magische Zahl von 1000. Skorerpunkten zu erwähnen, die er diese Saison erreicht hat. Und bei Jan Bürki kann man eigentlich nur staunen, was für einen Aufstieg er in den letzten Monaten hingelegt hat. Er repräsentiert jetzt schon die neue SVWE-Dynastie, welche dereinst mit Spielern wie Känzig, Mutter, Laubscher, Rentsch, Affolter oder all den U19-Internationalen das Fanionteam führen werden. 
Goalie: Nicolas Wolf spielt eine Traumsaison. Er, der seine besten Leistungen immer in den wichtigsten Spielen zu zeigen pflegte und einst im Champions-Cup-Final auch das Duo Galante/Enström zur Verzweiflung brachte, steigt mit einer Halbfinal-Savequote von traumhaften 85%-Prozent (schon über 70 gelten als gut im Unihockey) in sein letztes Karriere-Spiel. Und er wäre auch für ein Penaltyschiessen bereit. Europäisch hielt er 2015 im Champions-Cup-Halbfinale vier von fünf Penaltys, letztes Jahr gegen Malans im Superfinal vier von vier!
Die Lauernden: Moser und Schlüchter (er konnte bei Basel wichtige Spielpraxis holen) oder auch Affolter, sie haben alle das Potential sich einen Platz im Team zu holen, brauchen aber noch Zeit wie auch die Goalies: Nach dem Rücktritt von Wolf werden Christoph Reich, der als backup in dieser Saison stark spielte, wenn er ran musste (bspw. zweimal gegen Köniz, im Cup-Viertelfinal ab Spielmitte und beim 7:4-Sieg in der Meisterschaft) und die beiden U21-Goalies Menetrey/Flury versuchen, die grossen Fuss-Stapfen eines Wolfs auszufüllen.

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