Verein

"Die echte SVWE-Identität ist ein Riesen-Highlight der Corona-Zeit"

SVWE-Präsident Reto Luginbühl analysiert die Auswirkungen von Corona für den SVWE und findet auch viel Positives.
SVWE-Präsident Reto Luginbühl analysiert die Auswirkungen von Corona für den SVWE und findet auch viel Positives.

Heute Donnerstag wäre ursprünglich die jährliche Hauptversammlung des SVWE angesetzt gewesen. Neben den üblichen Traktanden wäre es allenfalls auch zu Auszeichnungen von erfolgreichen Teams gekommen, wie so oft in den letzten Jahren. Corona hat aber Mitte März die Normalität auf einen Schlag ins Surreale abgleiten lassen. Der Sport stand nicht mehr im MIttelpunkt. Innerhalb der letzten drei Monate hat sich vieles verändert. Die HV des SVWE findet nun in einer Woche doch statt, aber unter neuen Voraussetzungen. Passiert ist in der Zwischenzeit nicht nur auf der ganzen Welt vieles, auch der SVWE und insbesondere der Vereinsvorstand haben herausfordernde Wochen hinter sich. SVWE-Präsident Reto Luginbühl hält Rückschau auf die Corona-Zeit.

Reto Luginbühl, eine turbulente Zeit liegt hinter der Welt, dem Sport und auch dem SVWE, Stichwort Corona. Wie blickst du im Retro zurück auf diese Zeit vom Punkt des Saisonabbruchs bis heute.
Was waren die grössten Herausforderungen?

Das waren sicher die ersten Tagen und Wochen direkt nach dem Lockdown. Stopp/Fertig per sofort, die ganze Situation kam dermassen schnell und war so surreal, niemand konnte oder wusste wie diese Tatsache jetzt ein zu ordnen ist. Jeder hatte nur Fragen, niemand konnte einem konkrete Antworten geben. Da wir im Vorstand bereits regelmässige Erfahrungen mit Skypesitzungen hatten, konnten wir uns rasch organisieren, austauschen und versuchten die Auswirkungen für unseren Verein irgendwie einzuschätzen. Dabei stellte sich rasch heraus, dass alle Vorstandsmitglieder zum Verein auch beruflich und privat mit Homeworking, Homeschooling, keine Arbeit, Hamsterkäufe, Konkurs oder Risikopersonen sehr unterschiedlich stark beschäftig und betroffen waren. Wie für die meisten waren die ersten Wochen auch für mich sehr herausfordern. Es ging darum diese noch nie erlebten Umstände einzuschätzen, wie hart trifft uns Corona, wo müssen wir sofort ansetzen, wie lange reichen unsere flüssigen Mittel, welche Rechnungen sollen wann bezahlt werden und was überlassen wir jetzt einfach mal dem «Virus».
 

Was für Massnahmen hat man beim SVWE getätigt und mit welchem Erfolg?

Dank unserer sehr gut geführten Buchhaltung, waren wir extrem schnell in der Lage Fakten zu schaffen und anhand von Zahlen zu erkennen wie rasch und ernst sich unsere Situation von Woche zu Woche entwickeln kann. Eine Arbeitsgruppe innerhalb des Vorstands konnte sich basierend auf diesen Fakten sofort mit Unterstützung von Kurzarbeit und dem Aufsetzen von einem BASPO-Antrag befassen. Durch die ständigen Veränderungen der Situation und somit auch der Voraussetzung, war dieser Zusatzaufwand stark an der Grenze des zumutbaren Ehrenamtes gewesen. Speziell waren die Aussichten auf finanzielle Unterstützung beim BASPO-Antrag. Die Vorgaben waren da so ausgelegt, dass wir als Verein eigentlich schon Konkurs sein mussten bevor der Antrag beim BASPO überhaupt eingereicht ist.
Dank den Resultaten der Kurzarbeit und dem positiven BASPO Bescheid von Anfang Juni, kann ich heute mit gutem Gewissen sagen, dass wir alles Mögliche getan haben und der Einsatz hat sich ausbezahlt, um unseren Verein bis jetzt sicher durch diese Krise zu führen. Und wir sind immer noch liquid.

 
Wie steht der Verein aktuell da?
Der SV Wiler-Ersigen steht heute weiterhin gesund da. Dank der sofortigen Kurzarbeit konnten wir die Personalkosten von März bis Mai sehr gut abfedern, was uns beim Abschluss der Jahresrechnung 2020 extrem hilft. Weiter kann ich auch sagen, dass wir trotz den grossen Herausforderungen bis jetzt all unseren Verpflichtungen zu 100% und termingerecht nachgekommen sind.
Auch sportlich konnten wir diese Zeit bestmöglich überbrücken. Da hat unsere sportliche Führung einen sehr guten Job gemacht und unsere Spieler mit den nötigen Infos für individuelle Trainings ausgestattet. In dieser Krise hat sich die Investition in unsere XPS-Software so richtig ausbezahlt.

 
Was sind in Zukunft die grössten Herausforderungen für den Verein?

Wir gehen davon aus, dass unsere Sponsoring Erträge in der neuen Saison um ca. 20% einbrechen werden. 90% unserer Sponsoren sind lokale KMU’s, welche sich in erster Linie mal um ihre finanzielle Situation kümmern, bevor sie wieder im Sportsponsoring aktiv werden. Weiter hoffen wir, dass gemäss Planung die neue Saison am 12.September und ohne grössere Einschränkungen starten kann. Sollte dies nicht der Fall sein, wird das unsere finanzielle Situation durch fehlende Ticketing und Cateringerträge wieder verschärfen. Sportlich sind wir gerade daran die internationalen Vorbereitungsturniere in Prag und Riga umzuplanen, da es bei dieser unsicheren Lage keinen Sinn macht im Sommer ins Ausland zu reisen.

 
Was hat dich in der jetzigen Krise am meisten beeindruckt oder gefreut?

Am meisten beeindruckt hat mich die Anpassungsfähigkeit der Menschen und das Auftreten und die Souveränität des Bundesrates unter solchen Umständen. Dass die Schweiz heute wieder mit solch raschen Lockerungsmassnahmen vorwärts gehen kann, ist ein grosser Verdienst des Bundesrates und natürlich der gesamten Bevölkerung. Beim SVWE hat mich vor allem beeindruckt wie gut unsere Organisation und die bestehenden Strukturen auch in dieser Coronazeit funktioniert hatten. Speziell beeindruckte mich unser Finanzbuchhaltungsteam, welches einmal mehr top performte und dem Vorstand auch in solch ausserordentlichen Situationen rasch Entscheidungsgrundlagen schaffen kann. Mit Marianne Althaus haben wir da auch eine Person, welche schon länger überdurchschnittliches leistet und auch in dieser Krise eine echte Leaderin war und ist. Weiter hat sich Daniel Lüthi, welcher in seinem zweiten Vorstandsjahr ist, mit seiner ruhigen und  überlegten Art und seinem treuhänderischen Knowhow als Leader präsentiert. Dani konnte in dieser Krise das erste Mal so richtig zeigen, was er eigentlich drauf hat und wie belastbar er ist. Und auch die etlichen Rückmeldungen von Trainerinnen und Trainer, welche sich freiwillig meldeten und zugunsten vom SVWE auf ihre Spesenbeiträge verzichteten waren in dieser Zeit jedesmal einen Aufsteller und gaben uns als Vorstand auch Kraft diesen Mehraufwand zu betreiben. Der grösste Aufsteller für mich persönlich war aber eine Aktion von unserem NLA-Spieler Andrin Hollenstein. Andrin hatte seinem Tor- und Spielersponsor dem Restaurant Bären Ersigen in Eigeninitiative einen persönlichen Dankesbrief und ein paar unterstützende Worte zur Bewältigung der Krise geschrieben. Seine Anteilnahme an der Situation von seinem Sponsor hat bei den Betroffenen eine überwältigende Reaktion und neue Verbundenheit zum SVWE ausgelöst. Solche Aktionen zeigen mir die echte SVWE Identität und sind für mich jedesmal ein riesen Highlight.

 
Am 25. Juni findet , eine woche später als geplant, die HV des Vereins statt. In welchem Rahmen und was werden die vereinsmitglieder zu hören bekommen?

Unsere HV findet dieses Jahr nicht am gewohnten Ort im Restaurant Rudwilsbad in Ersigen statt, sondern in der Sporthalle Zuchwil. In der Sporthalle haben wir genügend Platz die nötigen Schutzmassnahmen für unsere Mitglieder umzusetzen und unsere HV ordnungsgemäss durchzuführen.
Inhaltlich werden wir dank den erwähnten Massnahmen eine ausgeglichene Jahresrechnung präsentieren können. Speziell wird sicher die Budgetpräsentation für die nächste Saison sein, da schwierig abzuschätzen ist wie sich die Sponsoringsituation im nächsten Jahr entwickeln wird. Unser Ziel bleibt aber die Mitgliederbeiträge nicht zu erhöhen und angesprochene Ertragsausfälle notfalls mit konsequenten Sparmassnahmen auszugleichen.

 
Was für Auswirkungen hat es auf den Verband, bezüglich Events usw. weisst du da als NL-Vorstandsmitglied mehr?
Mit dem Lockdown gab es wie bei den anderen Mannschaftssportarten auch bei uns sehr viele und intensive Diskussionen bezüglich Wertung und Auf/Absteiger innerhalb der Nationalliga. Daher wird nun an der nächsten Ligaversammlung darüber abgestimmt, ob es zukünftig einen direkten Auf/Absteiger anstelle der Playoutserien geben soll. Weiter ist noch unklar, ob der Supercup 2020 Ende August stattfindet. Wenn ja werden wir als amtierender Meister und Qualisieger gegen Cupsieger Zug antreten.
Zudem hatte das Nationalliga Komitee einen positiven Austausch mit dem Verband bezüglich unterschiedlichen Szenarien zum Meisterschaftsstart. Diskutiert wurde auch was für die Liga und die Vereine unter welchen Umständen zumutbar ist und wo es keinen Sinn macht den Betrieb wieder aufzunehmen.

 
Was hast du persönlich aus dieser Zeit herausgenommen?
Viel, aber die Wichtigkeit und der Stellenwert der Sportvereine in der Gesellschaft und deren Auswirkungen auf das Wohlbefinden von einem Grossteil der Menschen, wurde mir in dieser Zeit speziell bewusst. Auf der einen Seite ist der Leistungssport, der in erster Linie pure Unterhaltung für die breite Gesellschaft ist. Auf der anderen Seite der Breitensport, der aufgrund der sportlichen Aktivität und den sozialen Kontakten vielen zum persönlichen Ausgleich einfach gut tut. Mir persönlich hat in dieser Zeit beides sehr gefehlt. Weiter nehme ich die Wertschätzung für mein Engagement beim SVWE, wo beide Sportseiten abgedeckt werden, nochmal anders war. Es macht mich zufrieden mit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit meinen sinnvollen Beitrag für den Sport und die Gesellschaft zu leisten.

Back to Top