Playoffs

Countdown: Rückblick auf das ewige Duell

Nach dem "Intermezzo" im letzten Jahr mit den beiden Finalisten GC und Köniz, welches dem Schweizer Unihockey mit den Züchern den erst vierten Schweizer Meister auf dem Grossfeld bescherte, duellieren sich am Samstag, 22 April einmal mehr die beiden ewigen Rivalen Wiler-Ersigen und Alligator Malans. Sie haben das Zepter im Schweizer Herren Unihockey postwendend übernommen, was auch auf  Juniorenstufe unterstrichen wird mit den beiden Meistertiteln des SVWE (U21 und U18) sowie der Finalqualifikation (U21) und Halbfinalquali (U18) der Alligatoren. Bis zum grossen "Showdown" werden wir regelmässig Storys rund um die Superfinal-Teilnehmer und den Event an sich publizieren. Der Countdown läuft. 


"Mätthu" gleich mit zwei Blitztoren -         Väänänen beinahe tragischer Held
Der erste Superfinal im nationalen Unihockey 2015 wurde natürlich vor allem geprägt durch den berühmtesten und besten Schweizer Unihockeyspieler aller Zeiten. Matthias Hofbauer machte sich schon nach 13 Sekunden zum ersten Superfinal-Torschützen der Geschichte und doppelte im Mitteldrittel nach nur sieben Sekunden sogar nach. Damit hatte die SVWE-Ikone massgeblichen Anteil, dass die Berner mit einem 6:3-Vorsprung und bester Aussicht auf den zehnten Meistertitel in die Schlussminuten des Spiels starteten. Und dann kam es nach 58:25 zu einem beinahe folgenschweren "Aussetzer". Malans` Ostransky schlug einmal mehr gegen SVWE-Goalie Wolf nach, da verteidigte Tatu Väänänen in bester Eishockey-Manier seinen Schlussmann. Beide Spieler kassierten zwei Minuten, mit dem Resultat, dass die Bündner ihre Aufholjagd mit 5 gegen 4 statt 6 gegen 5 starten konnten. Spätestens nach dem zweiten "Powerplay-Tor" der Bündner wurde der finnische Weltmeister auf der Strafbank kreidebleich im Bewusstsein, was er mit seiner Kurzschlusshandlung ausgelöst hatte. Die Schluss-Sirene war, nicht nur, aber insbesondere für den Finnen eine riesengrosse Erleichterung.


Playoff-Erinnerungen der ewigen Rivalen
Und weil Rückblicke so schön sind, schwelgen wir doch noch etwas mehr in den Erinnerungen an alte Playoff-Zeiten, wo sich die beiden ewigen Rivalen teilweise epische Duelle lieferten. 13 von 15 Titeln gingen seit 2002 an die beiden Liga-Dominatoren, davon 10 an den SVWE, 3 an Malans. Nun stehen sich die Teams zum sechsten Mal in einem Final gegenüber.


1997/98: Die Marathon-Serie. Die Playoffs waren damals eine ziemlich neue Erfindung, als der SVWE als Aufsteiger in die Playoffs marschierte und im Halbfinal auf Malans mit Cheftrainer Berger traf. Alle drei Spiele der „best of three“-Serie gingen in die Verlängerung,  wobei die Entscheidung im dritten Spiel nach 139 Minuten zugunsten des Meisters fiel. Daraufhin wurde das Penaltyschiessen eingeführt nach der ersten Verlängerung.


2003/2004: Eis und Feuer. Es sollte die Wachtablösung sein im Schweizer Unihockey, der Pott wanderte vom Bündnerland ins Bernische, wo er sich ziemlich heimisch fühlen sollte. Ausgerechnet den Malanser Meistermacher Thomas Berger hatte es gebraucht, damit die "jungen Wilden" um die Gebrüder Hofbauer, Gerber, Flury und Co. nicht nur Unihockey zelebrierten, sondern auch erfolgreich waren.  Dabei gab es einige Nebenschauplätze. Die Bündner beschwerten sich über die Kälte in der Eishalle Zuchwil, welche dafür 2500 Zuschauern Platz bot. Die Berner revanchierten sich mit einer Meldung an den Verband, weil die Sicherheitsvorkehrungen damals noch in Schiers diversen Auflagen der Gebäudeversicherung nicht standhielten. Versperrte Notausgänge, unsichere Tribünenanbauten. Dazu war es für das Auswärtsteams von der Garderobe zum Spielfeld und umgekehrt ein Spiessrutenlaufen durch die gegnerischen Fans. Weiter sabotierte der Malanser „Doyen“ Louis Liesch eigenhändig das Feuerwerk, welches bei Wiler Toren in der Eishalle jeweils gezündet wurde.


2010: Judassila. Bergers Wechsel von Malans zum SVWE schlug nicht so hohe Wellen, weil dieser über ein Zwischenjahr beim damaligen NLB-Verein Bern Capitals verbunden war. Viel höher gingen die Wogen, als Wiler nur zwei Tagen nach dem Titelgewinn 2010 gegen Malans den Wechsel der Alligator-Legende Esa Jussila zum Serienmeister bekannt machte. Als Judassila wurde der Finne damals   aus der Herrschaft verabschiedet. Nun, die Fortsetzung ist bekannt: Jussila holte den Titel mit Wiler, musste danach seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden und ist nun seit 18 Monaten Trainer in Malans. Der Verräter ist jetzt wieder ein Teil der Malanser-Familie. „We are family“, aber halt nur, solange es gerade passt. Gepasst hat es trotz dem familiären Umfeld im Bündnerland aber scheinbar doch nicht mehr. Aus Heimweh entschloss sich die Jung-Familie Jussila zur Rückkehr nach Finnland.

  
2012: Das Meistergeschenk. Zwei Jahre nach dem Jussila-Coup revanchierte sich der SVWE und „schenkte“ Alligator Malans den Titel. Und das kam so: Zwar bildeten SVWE-Trainer Luukkonen und Mathias Larsson eine WG, warm wurden sie dennoch nicht miteinander. Der schwedische Kult-Spieler hatte sich kurzfristig für ein Comeback entschliessen können und zwar nicht bei seinem früheren Klub, sondern bei Wiler. Doch Larssons schwedischer Defensiv-Spielstil stiess beim finnischen Trainer mit Offensiv-Drang auf wenig Verständnis. So drohte Larsson, zumal öfters angeschlagen, ab Weihnachten die Bank. Dieser hatte aber nicht nur einen laufenden Vertrag mit dem SVWE, sondern auch ein Angebot aus Malans. Als Hochachtung vor den Verdiensten Larssons für den Unihockeysport und dessen Persönlichkeit zeigte sich der damalige SVWE-Sportchef kulant und entliess Larsson ohne Forderungen aus seinem Vertrag zu Malans (gegen den Willen Luukkonens).
Die Fortsetzung der Geschichte ist bekannt. Wiler scheiterte im Viertelfinal sensationell an Rychenberg, Luukkonen wurde noch während der Serie gefeuert (gebracht hat es zwar nichts) und Malans holte sich vor  allem dank einem überragenden Steuermann Mathias Larsson am Ende zum fünften Mal den Schweizer Meistertitel im Final gegen Köniz. Gern Geschehen lieben Bündner, erinnert euch künftig einfach an diese Geste, wenn ihr wieder Mal den sogenannten Liga-Krösus mit seinen „randalierenden“ Fans anprangert.

Künstler und Bad Boys. Das ewige Duell lebte aber auch von speziellen Typen, die das Salz in der Suppe ausmachen. Im Duell SVWE vs. Malans waren dies beispielsweise ein Roger Gerber und ein Martin Olofsson. Der „Magic Man“ auf Wiler Seite und der schwedische Ausnahmekönner auf Malanser Seite waren die wohl grössten Attraktionen auf Schweizer Unihockey-Feldern bis dato, ein Kim Nilsson oder Johan Jihde hin oder her. Oder dann die beiden Bad Guys - Ironman Jonas Schneeberger oder Wirrkopf Adrian Capatt. Sie waren unberechenbar für den gegnerischen und den eigenen Coach, aber boten beste Unterhaltung, trieben die gegnerischen Fans bis zur Weissglut mit ihren Provokationen. Wer tritt in ihre Fusstapfen? 

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